Berufsorientierung in Deutschland neu denken
Impulse und Lösungen von der DIDACTA 2026
Wie kann Berufsorientierung in Deutschland effizienter und nachhaltiger gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion auf der DIDACTA 2026 in Köln.
Eingeladen hatten der Bundesverband Deutscher Berufsausbilder (BDBA) e.V. und WorldSkills Germany. Durch die Veranstaltung führte Jana Härtel, stellvertretende Landesvorsitzende Bayern Süd des BDBA e.V., die die unterschiedlichen Perspektiven strukturiert zusammenführte und den Dialog zwischen den Akteuren aktiv moderierte.
Berufsorientierung: Vier Perspektiven aus der Praxis
Die Diskussion brachte zentrale Akteure der Berufsorientierung in Deutschland zusammen:
Agnes Scheidl (Kreisjugendring München-Land)
Als Vertreterin der freien Träger betonte sie die Bedeutung von Vernetzung:
Berufsorientierung müsse alle Jugendlichen erreichen und als gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden.
Veronika Kamm (Huber Technik GmbH & Co. KG)
Aus Sicht der Unternehmen kritisierte sie die Komplexität des Systems:
Über 300 Ausbildungsberufe erschweren die Orientierung. Ihr Appell: mehr Praxisnähe, weniger Bürokratie und verpflichtende Praktika.
Eike Ehlers (BBS Burgdorf)
Er hob strukturelle Herausforderungen hervor:
fehlende Passgenauigkeit, mangelnde Gleichwertigkeit von Bildungswegen und zu wenig individuelle Förderung im Übergang Schule–Beruf.
Frederik Grüneberg (BDKJ Diözesanverband Köln)
Er brachte die Perspektive der Jugendlichen ein:
Mehr Mitbestimmung und Angebote, die sich an der Lebensrealität junger Menschen orientieren, seien entscheidend.
Zentrale Herausforderung: Orientierung im Angebotsdschungel
Ein zentrales Ergebnis der Diskussion:
Die Vielzahl an Angeboten zur Berufsorientierung führt nicht automatisch zu besseren Entscheidungen.
Die Realität:
- über 300 anerkannte Ausbildungsberufe
- zahlreiche Programme und Initiativen
- fehlende Abstimmung und Transparenz
Für viele Jugendliche entsteht dadurch eher Überforderung als Orientierung.
Das Phasenmodell: Berufsorientierung als Prozess
Ein wichtiger Lösungsansatz wurde von Siglinde Foidl-Dreier, Bundesvorsitzende des BDBA e.V., vorgestellt: das Phasenmodell der Berufsorientierung.
Kernidee:
Berufsorientierung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein kontinuierlicher Prozess:
- Interessen entdecken
- Berufsfelder kennenlernen
- Entscheidungen treffen
- Bewerben und starten
- sich weiterentwickeln
Erfolgreiche Berufsorientierung braucht langfristige Begleitung statt Einzelmaßnahmen.
Übergang Schule – Beruf: Ein kritischer Punkt
Der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium bleibt eine der größten Herausforderungen im deutschen Bildungssystem.
Eike Ehlers betonte:
- Viele Konzepte scheitern an der praktischen Umsetzung
- Individuelle Förderung fehlt häufig
- Verantwortung wird zu oft den Jugendlichen zugeschrieben
Notwendig sind bessere Strukturen, mehr Unterstützung und passgenaue Angebote.
Lösungsansätze für eine nachhaltige Berufsorientierung
Aus der Diskussion lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten:
- stärkere Vernetzung von Schulen, Unternehmen und Trägern
- mehr Praxisbezug (z. B. verpflichtende Praktika)
- bessere Koordination bestehender Programme
- stärkere Beteiligung von Jugendlichen
- mehr Investitionen in Bildung und Infrastruktur
Fazit: Berufsorientierung ist Zukunftssicherung
Die abschließenden Beiträge der Teilnehmenden machten deutlich:
- Eike Ehlers: Gemeinsam an Lösungen arbeiten
- Veronika Kamm: Potenziale der jungen Generation nutzen
- Frederik Grüneberg: Mitsprache stärken
- Agnes Scheidl: Berufsorientierung als langfristigen Prozess verstehen
Die zentrale Erkenntnis:
Berufsorientierung ist ein entscheidender Faktor für Fachkräftesicherung und gesellschaftliche Entwicklung.
Sie gelingt nur durch Zusammenarbeit, klare Strukturen und den Mut zur Veränderung.
