Pres­se­mit­tei­lung / Poli­ti­sches Statement vom 08. Juli 2026

KI in der dualen Berufs­aus­bil­dung: Jetzt gestalten statt später reagieren!

Position des Bun­des­ver­ban­des Deutscher Berufs­aus­bil­der e.V.

Künst­li­che Intel­li­genz verändert die Arbeits­welt grund­le­gend. Tätig­kei­ten, Berufs­bil­der und Kom­pe­tenz­pro­fi­le wandeln sich bereits heute spürbar – manche Aufgaben werden auto­ma­ti­siert, andere entstehen neu. Für die duale Berufs­aus­bil­dung ist das keine Randnotiz, sondern ein zentraler Zukunfts­auf­trag.

Wir sind überzeugt: KI ist keine Bedrohung für Aus­bil­dung, wenn sie aktiv, ver­ant­wor­tungs­voll und praxisnah gestaltet wird. Sie kann Lernen indi­vi­du­el­ler machen, Aus­bil­de­rin­nen und Ausbilder entlasten, neue beruf­li­che Kom­pe­ten­zen fördern und junge Menschen besser auf die Arbeits­welt von morgen vor­be­rei­ten. Dafür braucht es jedoch klare Stra­te­gien, qua­li­fi­zier­te Ausbilder und ver­bind­li­che Rah­men­be­din­gun­gen.

Unter­neh­men müssen KI zur Chefsache machen

Aus­bil­den­de Unter­neh­men stehen in der Ver­ant­wor­tung, sich sys­te­ma­tisch mit KI aus­ein­an­der­zu­set­zen. Es reicht nicht, einzelne Tools punktuell zu nutzen oder das Thema den Mit­ar­bei­ten­den selbst zu über­las­sen. Wer keine klare KI-Strategie ent­wi­ckelt, riskiert eine unkon­trol­lier­te „Schatten-KI“ im Betrieb – mit möglichen Folgen für Daten­schutz, Geschäfts­ge­heim­nis­se, Qualität und Com­pli­ance.

Unter­neh­men brauchen deshalb klare Leit­li­ni­en: Welche KI-Anwendungen dürfen genutzt werden? Welche Daten dürfen ein­ge­ge­ben werden – und welche aus­drück­lich nicht? Wie werden Ergeb­nis­se geprüft? Und welche Kom­pe­ten­zen benötigen Aus­zu­bil­den­de und Aus­bil­dungs­per­so­nal, um KI sinnvoll, kritisch und sicher ein­zu­set­zen?

KI-Kompetenz muss Teil betrieb­li­cher Aus­bil­dungs­qua­li­tät werden.

Prüfungen und Leis­tungs­nach­wei­se müssen neu gedacht werden

Wenn KI Fach­ar­bei­ten, Prä­sen­ta­tio­nen, Doku­men­ta­tio­nen oder Pro­jekt­be­rich­te unter­stüt­zen kann, müssen auch Prü­fungs­leis­tun­gen wei­ter­ent­wi­ckelt werden. Die Frage darf nicht allein lauten: „Wurde KI genutzt?“, sondern: „Wurde KI reflek­tiert, trans­pa­rent und fachlich korrekt ein­ge­setzt?“

Bewer­tungs­kri­te­ri­en müssen künftig stärker berück­sich­ti­gen, ob Aus­zu­bil­den­de Pro­blem­stel­lun­gen verstehen, KI-Ergebnisse kritisch prüfen, eigene Ent­schei­dun­gen begründen und den fach­li­chen Transfer leisten können. Prü­fungs­for­ma­te müssen so gestaltet sein, dass beruf­li­che Hand­lungs­kom­pe­tenz sichtbar bleibt – auch in einer KI-geprägten Arbeits­welt.

Aus­bil­de­rin­nen und Ausbilder brauchen gezielte Wei­ter­bil­dung

Berufs­aus­bil­der sind Schlüs­sel­per­so­nen für die Trans­for­ma­ti­on. Sie begleiten Menschen beim Einstieg in Berufe, die sich durch KI erheblich verändern werden. Dafür brauchen sie selbst Sicher­heit, Ori­en­tie­rung und metho­di­sche Kom­pe­ten­zen.

Wir fordern daher eine bun­des­weit ver­füg­ba­re, pra­xis­na­he und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Wei­ter­bil­dungs­of­fen­si­ve für Aus­bil­de­rin­nen und Ausbilder. KI darf nicht nur tech­ni­sches Spe­zi­al­wis­sen sein. Es geht um Refle­xi­ons­fä­hig­keit, Didaktik, Ethik, Daten­schutz, Prü­fungs­an­for­de­run­gen, Kom­pe­tenz­ent­wick­lung und die konkrete Anwendung im Ausbildungs- und Arbeits­all­tag.

Wer Aus­bil­dung zukunfts­fä­hig machen will, muss zuerst die Ausbilder stärken.

Auch die Politik ist gefordert

Die duale Aus­bil­dung lebt vom Zusam­men­spiel von Aus­bil­dungs­stät­te und Lernort Theorie (Berufs­schu­le, Fach­se­mi­na­re usw.) Deshalb muss KI auch in den beglei­ten­den Schulen ver­bind­lich auf die Agenda. Lehrpläne, Prü­fungs­ord­nun­gen, Lern­mit­tel und die Qua­li­fi­zie­rung des Lehr­per­so­nals müssen mit der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung Schritt halten.

Wir brauchen keine Sym­bol­de­bat­ten, sondern hand­lungs­fä­hi­ge Struk­tu­ren: moderne Aus­stat­tung, klare recht­li­che Ori­en­tie­rung, cur­ri­cu­la­re Ver­an­ke­rung von KI-Kompetenzen und eine enge Abstim­mung zwischen Aus­bil­dungs­stät­ten, beglei­ten­den Schulen, Kammern und Sozi­al­part­nern.

Unser Appell

Künst­li­che Intel­li­genz wird die Berufs­aus­bil­dung nicht ersetzen. Aber sie wird verändern, was gute Berufs­aus­bil­dung ausmacht.

Deshalb fordern wir:

  1. KI-Strategien in aus­bil­den­den Unter­neh­men mit klaren Regeln für Nutzung, Daten­schutz, Qua­li­täts­si­che­rung und Ver­ant­wor­tung.
  2. Ver­bind­li­che KI-Kompetenzen in der Aus­bil­dung für Aus­zu­bil­den­de, Aus­bil­de­rin­nen und Ausbilder sowie Lehr­kräf­te der beruf­li­chen Bildung.
  3. Zukunfts­fä­hi­ge Prüfungs- und Bewer­tungs­for­ma­te die Trans­pa­renz, Reflexion, Fach­lich­keit und beruf­li­che Hand­lungs­kom­pe­tenz in den Mit­tel­punkt stellen.
  4. Eine Wei­ter­bil­dungs­of­fen­si­ve für das Aus­bil­dungs­per­so­nal gesetz­lich ver­pflich­tet, regel­mä­ßig, mit vor­ge­ge­be­nem Stun­den­po­ten­zi­al, praxisnah, nied­rig­schwel­lig und bun­des­weit zugäng­lich.
  5. Poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen für KI in den Aus­bil­dungs­stät­ten der Theorie und Praxis damit die duale Aus­bil­dung auch im KI-Zeitalter ein Erfolgs­mo­dell bleibt.

KI ist gekommen, um zu bleiben. Jetzt kommt es darauf an, sie ver­ant­wor­tungs­voll in die beruf­li­che Bildung zu inte­grie­ren. Nicht irgend­wann – sondern jetzt.

Der Bun­des­ver­band Deutscher Berufs­aus­bil­der e.V. steht bereit, diesen Wandel kon­struk­tiv mit­zu­ge­stal­ten.

Bun­des­ver­band Deutscher Berufs­aus­bil­der e.V. (BDBA)

- Der Vorstand -

Pähl, 08. Juli 2026

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