Pressemitteilung / Politisches Statement vom 01. April 2026
Mehr Staat im Betrieb? Wir brauchen lieber mehr Zeit für unsere Azubis!
Ausbildung stärken durch Anreize statt Zwangsabgaben: Qualität und Anerkennung der Ausbilder in den Fokus!
Der Bundesverband deutscher Berufsausbilder BDBA e.V. lehnt den aktuellen Gesetzesbeschluss zur Einführung einer Ausbildungsumlage in Berlin entschieden ab. Anstatt die duale Ausbildung durch bürokratische Hürden und finanzielle Belastungen zu schwächen, fordern wir eine Politik, die auf Eigenverantwortung, Qualität und die gesellschaftliche Aufwertung des Ausbilderberufs setzt und die Ursachen des Nicht-Ausbildens bei der Wurzel packt.
Unsere Kernforderungen im Überblick:
1. Nein zur Ausbildungsabgabe – Ja zu wirtschaftlicher Realität
Wir sagen klar: KEINE Zwangsabgaben. Eine Umverteilung von Mitteln ist der falsche Weg und übervorteilt diejenigen Betriebe, die sich ein „mehr“ an Ausbildung leisten können. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage und schwankender Auftragslagen brauchen Unternehmen – insbesondere KMU – Luft zum Atmen statt neuer finanzieller Lasten.
Deutschland wird als Ausbildungsstandort nicht durch Gebühren, sondern durch Wettbewerbsfähigkeit attraktiv.
2. Anreize statt Staatsvorgaben
Wir brauchen „weniger Staat“ in den Betrieben. Gute Ausbildungsqualität entsteht nicht durch Verordnungen, sondern durch gezielte Anreize und weniger Bürokratie. Statt Mittel umzuverteilen, müssen Investitionen in die Ausbildungsqualität direkt bei den Verantwortlichen ansetzen. Wir fordern die Förderung von hochspezialisierten Ausbildungszentren, die bereits heute moderne Standards setzen, ohne die Betriebe zusätzlich zu belasten. Das ist bereits Realität, dass das erste Ausbildungsjahr auf solche Einrichtungen verschoben wird.
3. Ausbilder als Führungskräfte anerkennen
Der Ausbilder ist eine zentrale Führungskraft in der deutschen Wirtschaft. Wir fordern eine deutlich höhere gesellschaftliche Anerkennung dieses Profils. Da die Aufgaben je nach Unternehmensgröße und Branche stark variieren, muss die Rolle des Ausbilders differenziert betrachtet werden:
- Funktionszulagen: Wir fordern Anreize über Zulagen, die sich an der tatsächlichen Verantwortung, der Führungsspanne und der spezifischen Unternehmenssituation orientieren. Schluss mit „nebenbei“ ausbilden, sondern professionelle Wertschätzung einer der wichtigsten Rollen im Betrieb.
- Nachhaltigkeit durch Qualität: Nur wer die Führungsqualität der Ausbilder und das Rollverständnis stärkt, sichert langfristig eine exzellente Ausbildungsqualität und die „Lust auf Ausbildung“ bei allen Beteiligten
4. Ausbilden, um die Umlage zu umgehen schadet der Qualität
Wir weisen darauf hin, dass eine Gefahr besteht, dass Unternehmen ausbilden, um die Umlage, die sich am Bruttolohnniveau orientiert, zu umgehen. Masse statt klasse und das ist der falsche Weg! Hier laufen die Auszubildenden Gefahr, einfach eine billige Arbeitskraft zu sein ohne genügend Fachkräfte zu haben, die sich an der Ausbildung beteiligen können.
5. Wissen rund um die Ausbildung im Dienstleistungsbereich ausbauen
Berlin hat viele Unternehmen im Dienstleistungsbereich und auch viele Unternehmer mit migrantischem Hintergrund. Hier ist das Wissen zur Dualen Ausbildung gering, denn Dienstleister und freie Berufe lernen in ihrem Studium oder ihrer Ausbildung nichts zum Dualen System. Auch der Ausbildereignungsschein ist nicht zwingend nötig, um ausbilden zu dürfen. Die Abbrecherquote ist hier doppelt so hoch wie in Handwerk, Handel und Industrie. Wir beobachten, dass einige nicht wissen, wie sie Ausbildung anfangen sollen. Hier würden wir uns mehr Initiative der Berufsverbände und Kammern wünschen, um potentielle Ausbilder anzusprechen und aufzuklären.
Fazit:
Ausbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht durch kurzfristige Abgaben gelöst werden kann. Wir brauchen eine Vision für die berufliche Bildung, die auf Freiwilligkeit, Qualität und Wertschätzung basiert.
Bundesverband Deutscher Berufsausbilder e.V. (BDBA)
Datum: 01. April 2026
gez. Vorstand BDBA e.V. (Bundesgeschäftsführung)
