Relevante Faktoren der Berufs­wahl und ihre Berück­sich­ti­gung im Betriebs­prak­ti­kum 

Gast­vor­trag mit Buch­vor­stel­lung von Dr. Stephanie Hagen­mül­ler am 15. Juni 2026

Mit­glie­der des BDBA e.V. und Inter­es­sier­te am Thema trafen sich nach Einladung und Orga­ni­sa­ti­on der Lan­des­grup­pe Bayern-Süd sowie unter Mode­ra­ti­on von Vize­prä­si­den­tin Prof. Dr. Barbara Kreis-Engelhardt in der Online-Vortragsveranstaltung mit Dr. Stephanie Hagen­mül­ler, die ihre Dis­ser­ta­ti­on über “Relevante Faktoren der Berufs­wahl und ihre Berück­sich­ti­gung im Betriebs­prak­ti­kum” vor­stell­te.

In der anschlie­ßen­den frucht­ba­ren Dis­kus­si­on wurde sich lebhaft über Her­aus­for­de­run­gen bei der Berufs­ori­en­tie­rung, die Wich­tig­keit früh­zei­ti­ger Betriebs-Schul-Kooperationen und die Not­wen­dig­keit, Jugend­li­che früher in die beruf­li­che Ori­en­tie­rung ein­zu­be­zie­hen aus­ge­tauscht. Teil­neh­mer wie Hans Lengl und Detlef-Michael Haarhaus teilten prak­ti­sche Erfah­run­gen aus der Aus­bil­dungs­pra­xis, wobei Hans Lengel die Bedeutung koor­di­nier­ter Ansätze zwischen Schulen, Betrieben und Eltern hervorhob und Detlef-Michael Haarhaus erfolg­rei­che Projekte zur Rekru­tie­rung und Inte­gra­ti­on von Aus­zu­bil­den­den beschrieb. Prof. Dr. Kreis-Engelhardt teilte Gedanken, dass es auch wichtig für Unter­neh­men und Ausbilder sei, sich klar über Anfor­de­run­gen an Aus­zu­bil­den­de zu sein, diese klar zu kom­mu­ni­zie­ren und im Unter­neh­men ganz­heit­lich zu verankern. Um keine „ver­zerr­ten Bilder / Gedanken“ hin­sicht­lich Anforderungs- und Eig­nungs­ni­veau sowie „ bei zukünf­ti­gen Aus­zu­bil­den­den zu gene­rie­ren. Der Förderung von Stärken von Jugend­li­chen in der Berufs­wahl­pha­se kommt ebenso eine große Bedeutung zu, wie dem Ausräumen von Nar­ra­ti­ven, „da Fach­kräf­te­man­gel herrscht, werde ich ja eh genommen“.

Betriebs­prak­ti­ka und Berufs­wahl­kri­te­ri­en

Dr. Hagen­mül­ler prä­sen­tier­te ihre Dis­ser­ta­ti­on über Betriebs­prak­ti­ka und Berufs­wahl­kri­te­ri­en aus der Sicht betrieb­lich ver­ant­wort­li­cher Personen. Sie erörterte sechs relevante Faktoren für die Berufs­wahl: Anfor­de­run­gen des Berufs, soziale Passung, Rah­men­be­din­gungs­pas­sung, Rea­li­sier­bar­keit, Urteils­si­cher­heit und die Zusam­men­ar­beit von Betrieben mit Schulen. Die Prä­sen­ta­ti­on zeigte, dass Betriebe zwar koope­rie­ren, aber oft keine nach­hal­ti­ge Ver­bin­dung zu den Schulen oder Schülerinnen/Schülern auf­recht­erhal­ten, was die Wirk­sam­keit der Praktika in der beruf­li­chen Ori­en­tie­rung beein­träch­tigt.

Prak­ti­kums­pro­gram­me und Beruf­li­che Ori­en­tie­rung

Dr. Hagen­mül­ler prä­sen­tier­te ihre For­schungs­er­geb­nis­se zu Betriebs­prak­ti­ka, basierend auf 12 qua­li­ta­ti­ven Inter­views, und erklärte, dass viele Unter­neh­men bereits gute Prak­ti­kums­pro­gram­me haben, ein­schließ­lich geschlechts­spe­zi­fi­scher Maßnahmen zur Förderung von Frauen in tech­ni­schen Berufen. Hans Lengl, der über 25 Jahre Erfahrung als Ausbilder bei BMW hat, betonte die Wich­tig­keit einer früh­zei­ti­gen beruf­li­chen Ori­en­tie­rung und des Zusam­men­wir­kens aller Betei­lig­ten — Schulen, Betriebe und Behörden — anstatt isolierte Ansätze zu verfolgen. Die Dis­kus­si­on kon­zen­trier­te sich auf die Her­aus­for­de­run­gen bei der Koor­di­na­ti­on zwischen Schulen und Unter­neh­men sowie die Not­wen­dig­keit einer besseren Abstim­mung der Prak­ti­kums­zeit­räu­me.

Betrieb­li­ches Leh­rer­prak­ti­kum und Fach­kräf­te­man­gel

Hans Lengl erläu­ter­te die erfolg­rei­che Geschich­te des betrieb­li­chen Leh­rer­prak­ti­kums über mehrere Jahre, wobei die Lehr­kräf­te per­sön­lich anwesend sein mussten. Dr. Hagen­mül­ler und Prof. Kreis-Engelhardt dis­ku­tier­ten die aktuelle Her­aus­for­de­rung des Fach­kräf­te­man­gels und die ver­än­der­te Haltung junger Menschen, die sich aufgrund poli­ti­scher Unsi­cher­hei­ten und Arbeits­lo­sen­zah­len unsicher fühlen. Hans Lengl betonte die Not­wen­dig­keit, rea­lis­ti­sche Anfor­de­run­gen an Azubis und Prak­ti­kan­ten zu kom­mu­ni­zie­ren und die Zusam­men­ar­beit zwischen Schule, Eltern, Medien und Unter­neh­men zu stärken.

Jugend­be­rufs­ori­en­tie­rung und Pra­xis­bei­spie­le

Die Teil­neh­mer dis­ku­tier­ten über Berufs­ori­en­tie­rung bei Jugend­li­chen und bestehen­de Pra­xis­bei­spie­le. Hans Lengl betonte, dass Berufs­ori­en­tie­rung bereits im „Vier­jäh­ri­gen­al­ter“ beginnt und nicht erst mit der Schul­ab­schluss­pha­se. Detlef-Michael Haarhaus teilte Erfah­run­gen aus seiner Funktion als Aus­bil­dungs­lei­ter bei Con­ti­nen­tal­rei­fen Deutsch­land, wo ver­schie­de­ne Projekte mit Schulen durch­ge­führt wurden, ein­schließ­lich Betriebs­si­mu­la­tio­nen in der 8. Klasse und Pro­gram­men für Erst­aus­zu­bil­den­de über 18. Prof. fragte nach Unter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten für Ausbilder im Spagat zwischen regulärer Aus­bil­dungs­ver­ant­wor­tung und Berufs­ori­en­tie­rung, worauf Dr. Hagen­mül­ler vorschlug, kreative Ansätze wie Peer-Gespräche und die Ein­bin­dung fitter Aus­zu­bil­den­der zu nutzen.

Stärkung der Ausbilder-Rolle

Die Gruppe dis­ku­tier­te auch über Initia­ti­ven zur Stärkung der Rolle von Aus­bil­dern, wobei Angelika Appold ein Projekt der IHK beschrieb, bei dem Aus­zu­bil­den­de ab dem zweiten Lehrjahr Berufs­vor­stel­lun­gen in Schulen machen. Hans Lengl betonte zwei wichtige Faktoren für erfolg­rei­che Ausbilder:innen, die innere Berufung zu leben, anstatt nur einen „Job“ auszuüben. Dies sollte auch von den Unter­neh­men gefördert werden. Prof. Kreis-Engelhardt flan­kier­te dies und sprach die Not­wen­dig­keit an, dass Unter­neh­men auf Freiräume/Freistellungen hierfür für Ausbilder:innen (wieder) schaffen sollten. Die Bereit­schaft von Unter­neh­men hierfür sei in den ver­gan­ge­nen Jahren leider sehr stark zurück­ge­gan­gen.

Unter­la­gen

Die Vor­trags­un­ter­la­gen stehen den Mit­glie­dern des BDBA e.V. im internen Bereich der Website zur Verfügung.

17.06.2026
Prof. Dr. Barbara Kreis-Engelhardt
Vize­prä­si­den­tin und Bun­des­ge­schäfts­füh­re­rin BDBA e.V.

Archiv